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Pokémon GO: Die virtuelle Monsterjagd

Robin Schröder · 12.08.2016

Pikachu und Co. können jetzt in der echten Welt gefunden werden. / Foto: iStockPhoto.com © MOF

Pikachu und Co. können jetzt in der echten Welt gefunden werden. / Foto: iStockPhoto.com © MOF

Seit dem 13. Juli ist die neue App Pokémon GO in Deutschland kostenlos erhältlich und von einem Hype zu sprechen, wäre noch untertrieben: Das Augmented-Reality-Spiel lockt unzählige Menschen auf die Straßen.

Die ganze Welt scheint im Pokémon-Fieber zu sein: Für die einen werden Kindheitsträume wahr, andere lernen die beliebte Spielereihe im wohl einflussreichsten Augenblick ihrer zwanzigjährigen Geschichte kennen. Pokémon GO ist eine App auf dem Vormarsch.

Was ist Pokémon GO eigentlich?

Pokémon ist zweifellos eine der beliebtesten Marken des japanischen Spieleherstellers Nintendo. Seit 1996 können Menschen jeden Alters auf dem Gameboy und seinen Nachfolgemodellen die namensgebenden Kreaturen (Pokémon = Wortneuschöpfung aus pocket und monsters) fangen, trainieren und mit ihnen Kämpfe austragen um zum besten Pokémontrainer aller Zeiten zu werden. Die zugehörige Zeichentrickserie tut ihr übriges, um seit rund zwei Jahrzehnten immer wieder Kinder für die fantastische Welt und ihre inzwischen mehr als 700 knuffigen Monster zu begeistern.

Nintendo hat in Zusammenarbeit mit der Google-Tochter Niantic den Sammeltrieb auf die Smartphones gebracht. „Schnapp sie dir alle" ist und bleibt das Pokémon-Motto, nur dieses Mal findet die Monsterjagd nicht im virtuellen Raum, sondern in unserer realen Welt statt. Pokémon GO ist ein Augmented-Reality-Spiel, das heißt so viel wie „erweiterte Wirklichkeit" und bedeutet konkret, dass die Pokémon per GPS nun an realen Orten gefunden und durch die Kameralinse des Smartphones gesehen und gefangen werden können.

Erfolg vorprogrammiert

Das nette Spielkonzept ist jedoch mehr als nur ein kleiner Zeitvertreib für eine handvoll Fans: Innerhalb kürzester Zeit lässt Pokémon GO namhafte Apps im Ranking der Meistgenutzten hinter sich und stürmt die Downloadcharts im App-Store. Aus dem Gratis-Spiel ist ein kulturelles Phänomen geworden, das Millionen von Menschen weltweit nach draußen lockt. Eine Tatsache, die nicht völlig überrascht, denn das Spielprinzip ist denkbar einfach – und über allem prangt mit Pokémon die Marke, die eine ganze Generation geprägt hat und sich immer noch einer enormen Beliebtheit erfreut.

Das Spiel ist kostenlos, also sofort für jeden im Store verfügbar, doch Nintendo steht trotzdem vor potentiellen Milliardengewinnen. Die wichtigen Gegenstände, die ein Pokémontrainer so braucht, wie beispielsweise die Pokébälle zum Einfangen der Monster oder Inkubatoren, um nach einer bestimmten Anzahl zu Fuß zurückgelegter Kilometer ein Poké-Ei auszubrüten, lassen sich nämlich optional mit echtem Geld kaufen. Wer sich einfach nur intensiv mit dem Spiel beschäftigt, kommt zwar auch gratis irgendwann an alles, was er benötigt, doch Ungeduldige können ihre Jagd nach Pokémon gegen ein paar Euro beschleunigen.

Gesellschaftlicher Einfluss

Die ungebrochene Euphorie beweist uns in den ersten Tagen bereits, dass Pokémon GO das Potential hat, nachhaltig das Leben der Menschen zu beeinflussen. Es gibt skurrile Geschehnisse wie in den USA, wo ein Spieler einem wilden Pokémon auf der Spur war, sich von seinem Smartphone allerdings zufällig zu einer Leiche führen ließ. Oder Vorfälle wie das Auflauern an Pokéstops (auf der Karte hervorgehobene Orte, meist Sehenswürdigkeiten einer Stadt, an denen Spieler unter anderem kostenlose Pokébälle erhalten können), um unschuldige Spieler in eine Falle zu locken.

Aber allen negativen Einzelfällen zum Trotz überwiegt das positive Gefühl: Menschen gehen auf die Straße, verabreden sich zur gemeinsamen Monsterjagd oder lernen sich an beliebten Pokémon-Treffpunkten kennen. So kommen die Leute schnell ins Gespräch; Pokémon GO schafft ein faszinierendes, neues Zugehörigkeitsgefühl. Und Nintendo könnte sich diesen Einfluss auf die Massen auch über die spielinternen Transaktionsmöglichkeiten hinaus zu Nutze machen. Pokéstops und Arenen (hier können Pokémontrainer ihre Pokémon gegen die anderer in den Kampf schicken) könnten in Zukunft vermarktet werden. Mögliche Erwägungen einer Kooperation mit McDonald's stehen im Raum. Nintendo bekäme das Geld und die Fast-Food-Kette würde als Pokéstop noch mehr zahlende Kunden in ihre Lokale locken.

Eine wegweisende App

Während die Spieler unentwegt an die frische Luft kommen, sich bewegen, neue Menschen kennenlernen und immer weiter auf die Karte auf ihrem Smartphone tippen, um Pokémon zu fangen, scheint Nintendos einflussreiche App in eine neue Zukunft zu führen, die den Augmented-Reality-Markt für die breite Masse geöffnet hat und ganz neue Marketingkonzepte ermöglicht.

Rosige Zeiten, jedoch nicht nur für den Konzern, sondern auch für alle Pokémontrainer: Zum Sammeln und Kämpfen soll - wie in den Gameboy-Spielen - demnächst auch ein Tauschsystem hinzukommen, das den Austausch von Pokémon unter Spielern erlaubt. Außerdem darf natürlich mit weiteren Pokémon gerechnet werden, denn aktuell umfasst Pokémon GO lediglich die ersten 151 Pokémon.

Wie auch immer Nintendo in Zukunft sowohl die Inhalte des Spiels, als auch die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten erweitern wird, eines ist sicher: Pokémon hat die reale Welt erobert und wird so schnell nicht mehr verschwinden.

Tags: Medien , Outdoor

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