Gesellschaft

Die Zukunft von Fashion Magazinen

Lena Sophie Kohlwes (k50-Redakteurin) · 01.12.2015

Cover der April-Ausgabe 2015 der Elle Germany © Burda Hearst Publishing GmbH

Cover der April-Ausgabe 2015 der Elle Germany © Burda Hearst Publishing GmbH

Das Problem mit den Äpfeln und Birnen: Auf den ersten Blick scheinen Lifestyle-Print-Magazine wie „Elle" und YouTube-Kanäle die selben Themen zu bedienen. Doch wo liegen eigentlich die Unterschiede?

Brauchen wir in Zukunft wirklich zwei Medien, die sich mit dem Bereich Fashion und Lifestyle beschäftigen? Oder wird früher oder später, das eine durch das andere ersetzt werden?

Äpfel wachsen auf Bäumen, Birnen auch. Beide gehören zu der Gattung Obst. Ich mag Äpfel lieber. Meine Freundin Sarah steht dagegen total auf Birnen. Reine Geschmackssache eben. Ähnlich geht es mir mit Lifestyle-Magazinen. Infos über Fashion, Beauty und Lifestyle hole ich mir am liebsten auf YouTube. Sarah schwört auf Print-Magazine in Kombination mit Kuscheldecke und Schokolade. Ich finde das etwas altmodisch, aber irgendwie auch nostalgisch. Print-Magazine wird es doch sowieso nicht mehr lange geben, oder? YouTube-Videos sind das neue Morgen, meinen viele meiner Freunde. Ich wollte das genauer wissen und fragte zwei Frauen, die sich damit auskennen.

Der Apfel: YouTube

Irgendwo in Köln: Mara sitzt auf ihrer Couch, auf ihrem Schoß ein Laptop. Sie beantwortet Kommentare unter ihrem neusten Video. Um die 70 sind es mittlerweile. Mara ist YouTuberin und verdient mit ihren Videos Geld. In ihnen redet sie über das, was sie bewegt. Sie bastelt, gibt Tipps zum Stylen und Schminken, zeigt ihre Lieblingsprodukte oder kocht. Mara produziert die Videos für ihren Kanal „Großstadtcinderella“ ganz alleine. Sie schreibt Konzepte, stellt Licht und Kamera ein, schneidet das Videomaterial.

So machen das auch andere YouTuber. In den letzten Jahren ist ein wahrer Hype um die Videoplattform entstanden. Und dabei fließt auch viel Geld: Viele YouTuber können ihr Leben durch ihre Videos finanzieren. Sie verdienen an der Werbung, die vor den Videos geschaltet wird. Je mehr Klicks, desto mehr Geld. Erfolgreiche deutsche YouTuber machen durchschnittlich zwischen 500.000 bis eine Million Klicks, amerikanische machen teilweise fünfmal so viel. Mara gehört noch zu den kleineren Kanälen und kann nicht allein von YouTube leben. Sie hat rund 70.000 Abonnenten und durchschnittlich 20.000 Klicks pro Video.

Nach dem Hochladen tauscht sich Mara mit ihren Zuschauern aus. Nicht nur über die YouTube-Kommentare, sondern auch über soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram. Sie steht in ständigem Kontakt zu ihren Abonnenten. „Ich kann sehr schnell auf die Interessen meiner Zuschauer eingehen“, erzählt sie. Mara bekommt direktes Feedback, konstruktive Kritik, Videovorschläge. Auf diese kann sie binnen weniger Sekunden über einen Kommentar eingehen, einen Videowunsch könnte sie innerhalb von ein bis drei Tagen, je nach Aufwand, verwirklichen.

Die Birne: das „Elle"-Magazin

München, fast 600 Kilometer entfernt: Die Redakteure der „Elle" planen die neue Ausgabe. Themen werden recherchiert, Fotoshootings geplant und Interviews geführt. Die kommende Ausgabe soll sich mit Outfits für die Festtage sowie dem passenden Make-up beschäftigen.

Die „Elle" plant ihre Themen lange im Voraus. Das Feedback der Leser äußert sich vor allem durch die Verkaufszahlen. Momentan hat die „Elle" eine Auflage von etwa 200.000 Exemplaren, weltweit erscheint sie in 43 Ausgaben. Direkte Kommunikation findet selten statt. Trotzdem ist die „Elle" auch in sämtlichen sozialen Netzwerken vertreten. „Wir arbeiten intensiv an unserer Webpräsenz. Unsere Internetseite gibt es beispielsweise bereits seit 1996“, betont „Elle"-Editor Kathrin Staudinger. Die insgesamt 27 „Elle"-Websites werden zusammengerechnet 26 Millionen Mal im Monat aufgerufen.

Der Obstsalat

Fakt ist: Das Internet wird für unser Leben immer wichtiger. Und das wissen auch die Magazine. Trotzdem profitiert das Medium Print von bestimmten Faktoren: „Ein Magazin inspiriert viel mehr, selektiert Themen und Trends und filtert für den Leser das Wesentliche und das Überraschende“, so Staudinger. Wer sich die „Elle" kauft, ist durchaus bereit, sieben Euro zu bezahlen. Und dafür bekommt man genau das: Inspiration. Anregungen. Distanz. Ein „Elle"-Leser interessiert sich nicht für das persönliche Befinden des Autoren, er schätzt die Distanz zu ihm und zum Artikel.

YouTuberin Mara lebt dagegen von ihrer Nähe zum Zuschauer. Die schrillen Videos mit den bunten Kissen im Hintergrund wirken viel mehr wie ein Gespräch mit der Freundin: leicht, locker und unverbindlich. Beide Medien sprechen also unterschiedliche Zielgruppen an. Staudinger kommentiert den Vergleich trocken: „Wir würden ja auch keine Äpfel durch Birnen ersetzen“. Auch Mara schließt ein Ausstechen aus: „Vielleicht gibt es sogar irgendwann eine Synergie und beide Medien arbeiten miteinander zusammen."

So ist das mit den Äpfeln und Birnen. Ein Vergleich hinkt etwas, da es sich um unterschiedliche Medien mit unterschiedlicher Zielgruppe handelt. Zusammen würden sie aber einen wunderbaren Obstsalat ergeben.

k50-Redakteurin Lena Kohlwes hat mit diesem Text den Jungjournalistenwettbewerb „Duden Open 2014/2015“ gewonnen. Sie war die jüngste Teilnehmerin und konnte sich gegen insgesamt 2.500 Mitbewerber durchsetzen, bemerkte Duden in einer Pressemitteilung. Im Interview mit jungestadt.koeln erzählt Lena Kohlwes von Erlebnissen während des Wettbewerbs.

Gemeinsam mit seinen Partnern suchte der Dudenverlag immer ab Anfang September talentierte Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten bis 21 Jahre. In insgesamt drei Ausscheidungsrunden wird das Allgemeinwissen der Teilnehmer getestet und Schreib- und Recherchetalent durch eine hochrangige Journalistenjury bewertet.

Tags: Mode

Kategorien: Gesellschaft