Gesellschaft

„Jesus Christus, mein Vater und 2Pac"

Lena Sophie Kohlwes (k50-Redakteurin) · 20.01.2016

k50-Projektleiter Frank Liffers, Kiallas Verlobte, Kisaka Kialla und Redakteurin Lena Kohlwes (v.l.n.r) © jungestadt.koeln

k50-Projektleiter Frank Liffers, Kiallas Verlobte, Kisaka Kialla und Redakteurin Lena Kohlwes (v.l.n.r) © jungestadt.koeln

Mit 16 Jahren kam Kisaka André Kiala als Flüchtling von Afrika nach Deutschland. Damals wurde er mit offenen Armen empfangen. Heute engagiert er sich selbst für Kinder aus sozial schwachen Familien.

Kisaka ist 30 Jahre alt. Er lebt in Köln. Er geht arbeiten. Er hat eine Verlobte. Kisaka ist einer wie du und ich. Freundlich, hilfsbereit, immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Aber etwas macht Kisaka anders: Er hat das erlebt, was für uns nur ein fernes Konstrukt ist. Das, was wir uns gar nicht wirklich vorstellen können, was für uns nicht realisierbar ist. Kisaka lebte im Krieg. „Du hast bestimmt schon von Krieg gehört oder davon gelesen“, versucht er zu erklären. „Aber du hast ihn nicht erlebt. Und das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, zwischen jemandem, der von Krieg gehört hat und jemandem, der den Krieg persönlich erlebt hat.“

Geboren wure Kisaka in Angola. Das ist ein Land in Afrika, es liegt zwischen Namibia und der Demokratischen Republik Kongo. Angola ist ungefähr nur ein Drittel so groß wie Deutschland und hat 24,3 Millionen Einwohner. Seit 1975 wütete dort ein schwerer Bürgerkrieg, der 500.000 Menschen das Leben nahm und zahlreiche zur Flucht trieb. Einer von ihnen war Kisaka.

„Die Leute haben mich herzlich empfangen"

Mit 16 Jahren ist Kisaka im Jahr 2002 nach Deutschland gekommen – ganz allein. „Die Leute haben mich herzlich empfangen“, erinnert er sich. Zuerst kam er in einer Außenwohngruppe der Diakonie Michaelshoven in Köln-Rath unter. Fremdenfeindlichkeit oder Hass habe er nicht erfahren. „Aber das waren auch ganz andere Zeiten als heute. Das kann man nicht vergleichen.“

Später machte Kisaka sein Fachabitur am Georg-Simon-Ohm-Berufskolleg und begann anschließend eine Ausbildung zum Erzieher. Seit 2013 engagiert er sich selbst in der Diakonie Michaelshoven und macht mit Kindern aus sozial schwachem Umfeld Sport. Zusammen spielen sie vor allem Fußball, manchmal aber auch Basketball. Die Kinder können sich so auspowern, ihre Sorgen vergessen und gemeinsam Spaß haben. „Es tut ihnen gut!“, erzählt Kisaka stolz.

„Die Liebe, die ich bekommen habe, möchte ich zurückgeben"

Wenn Kisaka von den Kindern aus der Diakonie redet, strahlen seine Augen. Er erzählt, wie sie jede Woche schon auf ihn warten und am Ende der Stunde gar nicht mehr aufhören wollen. Wie die Kinder Vertrauen zu ihm aufbauen und ihn vielleicht ja sogar als Vorbild sehen. Es sei wichtig, die Jugend zu fördern und zu unterstützen, denn nur sie sei die Zukunft. Und vor allem Vorbilder würden eine ganz besondere Motivation und Inspiration schaffen. Wer seine Vorbilder wären? „Jesus Christus, mein Vater und 2Pac."

Kisaka denkt, dass es am wichtigsten ist, seine Mitmenschen zu unterstützen, Talente zu fördern und diese für die Gemeinschaft einzusetzen. Als er nach Deutschland kam, wurde er herzlichst aufgenommen. „Die Liebe, die ich bekommen habe, möchte ich zurückgeben." Deswegen engagiert er sich nun selbst in der Diakonie Michaelshoven. 2015 wurde er für sein Engagement auch mit dem „Michaelshovener Engel“ ausgezeichnet.

„Deutschland ist auch meine Heimat"

Seit fast 15 Jahren lebt Kisaki jetzt in Deutschland: „Ich persönlich würde sagen, dass Deutschland auch meine Heimat ist“. Trotzdem spüre er eine starke Verbundenheit zu Angola und vermisse sein Vaterland. Die Menschen dort seien sehr sportlich und humorvoll. Mit den Jahren habe er aber auch viele deutsche Sitten und Verhaltensweisen übernommen. Vor allem das Klischee der deutschen Pünktlichkeit treffe zu und sei nun auch ein Teil von ihm selbst. Auch Disziplin und Zielstrebigkeit seien wertvolle deutsche Attribute.

Kisaka fühlt sich hier in Deutschland wohl und hat sich in den letzten Jahren eine Existenz aufgebaut. Trotzdem hat er keine Aufenthaltsgenehmigung, sondern nur eine sogenannte Duldung. Duldung bedeutet, dass man für einen vorübergehenden Zeitraum nicht abgeschoben werden kann – Betonung auf vorübergehend. Alle sechs Monate muss Kisaka erneut zum Amt, um seine Duldung zu verlängern. Mittlerweile hat Kisaka jedoch keine Angst mehr und glaubt, hier in Deutschland bleiben zu dürfen.

Tags: Migration , Soziales

Kategorien: Gesellschaft