Gesellschaft

„Jugendliche wurden ganz lange in der Politik ausgeklammert"

Robin Schröder · 01.09.2016

Engagiert sich schon seit ihrem 12. Lebensjahr politisch: die 20-jährige Chantal Schalla © Foto: Robin Schröder

Engagiert sich schon seit ihrem 12. Lebensjahr politisch: die 20-jährige Chantal Schalla © Foto: Robin Schröder

Ein Lächeln auf den Lippen und ein viel zu großer Koffer im Schlepptau: Chantal Schalla ist jung, dynamisch und vor allem mobil. Das muss sie auch sein, denn die Arbeit im Kinder- und Jugendrat NRW – kurz: KiJuRat – schickt sie von einer Stadt zur nächsten, durch ganz Nordrhein-Westfalen.

Die 20-jährige Studentin aus Bonn ist schon seit acht Jahren unterwegs und engagiert sich in ihrer Freizeit, um die politischen Interessen von Jugendlichen zu vertreten, denn: Etwas für die eigene Generation verändern zu wollen, ist nicht nur wichtig, sondern macht Spaß und ist eigentlich alles andere als langweilig. Robin Schröder hat für k50-Magazin mit ihr gesprochen.

k50-Magazin: Was kann man sich unter dem Kinder- und Jugendrat eigentlich vorstellen?

Chantal Schalla: Der Kinder- und Jugendrat NRW ist ein Zusammenschluss aller Jugendgremien, die es in NRW gibt. Gegründet hat sich der Jugendrat mit dem Gedanken „Hey, was in den Städten politisch schon super funktioniert, würden wir gerne auf Landesebene haben.“ Es war wichtig, dass es auf der Ebene eine Möglichkeit der Beteiligung für junge Menschen gibt, da das ja die Gruppe ist, die sich in der Politik nicht so präsentieren kann, weil es ja nun einmal kein Wahlrecht für Jugendliche gibt. Über ein Delegiertensystem kommt man von seinem lokalen Jugendgremium in den Jugendrat und nimmt dann an Sitzungen und Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen teil.

Was sind die Ziele des Jugendrats?

Die Herabsetzung des Wahlrechts auf 16 Jahre gehört natürlich dazu, aber viel mehr geht es uns, um Partizipation junger Menschen. Es ist eine Sache, ein Wahlrecht zu haben und alle vier Jahre den Bundestag zu wählen, aber eine andere, auch generell gehört zu werden. Jugendliche wurden ganz lange in der Politik ausgeklammert. Uns geht es darum, sie bei allen Themen mitzudenken, so dass man Entscheidungen nicht über unsere Köpfe hinweg trifft, sondern uns einbindet.

Und wie bist du zum Jugendrat gekommen?

Bei mir ging das sehr früh los. Ich war zwölf, als ich angefangen habe, mich zu engagieren. In der Schule habe ich davon gehört, dass es in meiner Heimatstadt Recklinghausen ein Kinder- und Jugendparlament gibt und da dachte ich mir, ich gucke mir das Ganze einmal an. Es ging dann auch relativ schnell bei mir, dass ich nicht mehr nur etwas für meine Stadt tun wollte, sondern auch für meinen Bezirk und schließlich auf Landesebene. Mit 14 war ich dann im Jugendrat und ein Jahr später im Vorstand – damals die jüngste.

Wie sehen deine Aufgaben im Jugendrat aus?

Ich bin im Sprecherteam, das die Aufgabe hat, den Jugendrat nach außen hin zu repräsentieren. Wir gehen auf Veranstaltungen von politischen Organisationen, um uns dort entsprechend zu positionieren, wir stehen der Presse zur Verfügung und wir besuchen Jugendgremien vor Ort, um sie zu unterstützen. Seit zwei Jahren werden wir außerdem für Anhörungen in den Landtag eingeladen.

Was sagen andere Menschen – Freunde, Familie oder auch Fremde - dazu, wenn sie von deinem Engagement im Jugendrat erfahren?

Es gibt halt ein paar Vorurteile, weil sich viele nicht wirklich vorstellen können, ihre Freizeit damit zu verbringen, sich politisch zu engagieren. Manche Menschen spielen eben Fußball im Verein und andere – wie ich – machen so etwas Abstraktes. In meinem Freundeskreis hat es sich aber über die Jahre so entwickelt, dass sie gut finden, was ich da mache. Einige wollten sich den Jugendrat dann sogar selbst einmal anschauen und entscheiden, ob sie das weiter interessiert.

Wie können Jugendliche konkret beim Jugendrat mitmachen?

Das ist immer über die rund 80 lokalen Gremien geregelt. Solange man in einem städtischen Jugendgremium Mitglied ist, kann man sich für den Jugendrat als Delegierte oder Delegierter wählen lassen. Das Alter spielt dabei keine Rolle, ganz egal, ob man erst 10 oder schon 20 ist. Offen mitarbeiten kann außerdem jeder ohne Einschränkungen.

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