Gesellschaft

Osama und seine Geschichte

Carolin Mülheims (k50-Redakteurin) · 24.08.2017

Osama, Dolmetscherin Amina Kartout Wöhner und k50-Redakteurin Carolin Mülheims (v.l.n.r.) © Petra Hoffmann

Osama, Dolmetscherin Amina Kartout Wöhner und k50-Redakteurin Carolin Mülheims (v.l.n.r.) © Petra Hoffmann

Sie waren 55 Personen auf einem Schlauchboot, die Männer mussten ins Wasser springen und das Boot antreiben: Der 16-jährige Osama erzählt von seiner Flucht aus Syrien.

In den Medien wird momentan viel über Flüchtlinge berichtet. Doch eigentlich lässt man keinen wirklich zu Wort kommen. Niemand nimmt sich Zeit, eine Geschichte wirklich und ganz zu erzählen. Das möchte ich ändern und unterhalte mich deshalb mit Osama. Er erzählt mir seine ganz persönliche Geschichte ...

Kein gemütlicher Ort – aber einer, der versucht, Geborgenheit zu geben

Als ich zu der Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle der Johann-Wallraf-Grundschule komme, sehe ich ein paar Kinder mit Roller und Kreide auf dem Schulhof spielen. In der Ecke erwartet mich schon Frau Winkler von der Stadt Bornheim zusammen mit einem Jugendlichen. Wir geben uns die Hände. Osama ist sein Name, erfahre ich. Er ist sehr freundlich und zuvorkommend, etwas schüchtern und er versteht auch schon ein bisschen Deutsch, denn er begrüßt mich mit „Guten Tag". Neben ihnen steht unsere Dolmetscherin Amina Kartout Wöhner.

Wir setzen uns in die Cafeteria. Sie besteht aus einfachen Bierbänken und ist im Vorraum zur Turnhalle. Kein besonders gemütlicher Ort, aber einer, der versucht, Geborgenheit zu geben. Einfache Wagen für die Essensausgabe stehen in einer Ecke. Momentan sind sie leer, aber bald werden sie mit einfachem Essen gefüllt sein.

Es ist kurz nach 11 Uhr. Hier und da sitzen auf den Bänken Menschen und unterhalten sich. Ständig gehen Leute – von Kleinkindern bis zu Erwachsenen – durch die Eingangstür der Turnhalle auf den Schulhof und zurück. Alles ist laut und wuselig, aber es herrscht eine freundliche Atmosphäre.

Neben uns ist das Schwarze Brett angebracht. Auf Englisch, Französisch, Deutsch und besonders Arabisch werden hier Vorschläge und Angebote dargestellt. Aber auch Verhaltensregeln sind angepinnt. Von meinem Platz aus kann ich in die Turnhalle sehen. Einfache Papierwände sorgen für ein bisschen Privatsphäre.

Eine Geschichte, die noch kein Ende gefunden hat

Ich stelle mich vor und fange dann mit Hilfe der Übersetzerin Amina Kartout Wöhner an, mein Interview mit Osama zu führen. Osama erzählt mir seine Geschichte. Eine, die noch kein Ende gefunden hat.

Osama ist 16 Jahre alt. Er wurde als Palästinenser geboren, doch als er ein Jahr alt war, sind seine Eltern mit ihm nach Syrien geflohen. Dort lebte er in einem Camp in der Nähe von Damaskus. Eigentlich war das kein richtiges Camp, so wie wir es als Flüchtlingslager bezeichnen würden. Es war eher vergleichbar mit einem Viertel oder Dorf, in dem ausschließlich Palästinenser wohnten. Osama ging dort zur Schule, er hatte Freunde und seine Eltern hatten ein eigenes Haus. Er war immer der Beste in der Klasse. Die Lehrer haben ihn gemocht. Sein Lieblingsfach war Englisch. Sein großes Hobby: Fußball.

Irgendwann kam der Krieg

Doch irgendwann kam der Krieg näher und der Unterricht wurde weniger. Der Krieg war zu stark geworden und die Schule fiel ganz aus. Er findet es schade, dass er nicht noch weiter zur Schule gehen konnte, erklärt er mir. Er hätte so viel Nützliches lernen können.

Mitte Juli haben seine Eltern entschieden, dass es zu gefährlich sei, weiter in Syrien zu bleiben. Hätten seine Eltern keine Kinder gehabt, so erzählt er, wären sie geblieben. Doch das schien ihnen zu riskant. Sie flohen. Wie so viele andere. Doch als Palästinenser durften sie nicht reisen. Deshalb wurden sie geschmuggelt. Ein Schmuggler brachte sie über die Grenze. Antakya, eine kleine Stadt im Süden der Türkei, war ihr erster Anlaufpunkt. Von dort ging es nach Istanbul und dann nach Izmir. Und das alles zu Fuß.

Tags: Soziales

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