Gesellschaft

Vorurteile? Nicht mit uns!

Lea Bindl · 01.08.2016

Teilnehmerinnen des Projekts © Lea Bindl

Teilnehmerinnen des Projekts © Lea Bindl

Schon die neue Stadtbahn mit den großformatigen Portraits gesehen? Das sind Bilder von deutschen und geflüchteten Mädchen. Das Projekt der interkulturellen Initiative „Hallo Foto!“ ist ein echter Blickfang.

Verschiedene Gesichter blicken dir im Vorbeifahren entgegen. Einige schauen dich direkt an, andere an dir vorbei. Ein Schriftzug deutet vage an, worum es hier geht: „Hallo Foto! Tschüss Vorurteile!" Die Mädchen, die auf der Außenseite der Kölner Stadtbahn abgebildet sind, könnten unterschiedlicher nicht sein. Unter ihnen sind sowohl deutsche als auch geflüchtete Mädchen aus Ländern wie Syrien, Albanien, dem Irak oder Afghanistan. Alle zwischen 13 und 17 Jahre alt. Unter Anleitung zweier Profi-Fotografen haben sich die Mädchen gegenseitig fotografiert. Das Ergebnis kann nun an und in der damit gestalteten Stadtbahn begutachtet werden.

„Hallo Foto!" - das Projekt

Im November 2015 trafen sich die insgesamt 22 Mädchen erstmals mit der Projektleiterin Dr. Lidia Cámara de la Fuente und Lina Orrego (pädagogische Leitung) zu dem interkulturellen Workshop. Dabei ging es nicht nur um Fotos. Kochen, Tanzen oder Deutsch lernen standen hier genauso auf dem Programm wie das Fotografieren. Doch wie verständigt man sich? „Wir hatten Bildkärtchen, auf die wir zeigen konnten. Daumen hoch stand dann zum Beispiel für ‚ja'", erklärt die 16-jährige Merle. Dass das Deutschlernen dann doch manchmal schneller klappt als gedacht, beweist die ebenfalls 16-jährige Esther. Sie kam mit ihrer Familie vor einem Jahr aus Albanien nach Deutschland und spricht praktisch fließend Deutsch. Was sie von dem Workshop mitgenommen hat? „Ich will unbedingt Fotografin werden!"

Die Idee, die entstandenen Bilder der Mädchen in Form einer „mobilen Ausstellung" zu präsentieren hatte Projektleiterin Dr. Lidia Cámara de la Fuente: „Integration hat immer auch etwas mit Ankommen zu tun. Und was bietet sich dazu in einer Stadt besser an, als eine Straßenbahn?" Das Projekt will Vorurteile abbauen und einen Anstoß für eine erfolgreiche Integration von geflüchteten Menschen geben. Ein ganz persönliches Ziel hat das Team um Dr. Lidia Cámara de la Fuente schon jetzt erreicht: „Das Projekt ist zu Ende und die Mädchen treffen sich weiter."

Die Stadtbahn des Projekts „Hallo Foto!" verkehrt ab dem 6. Juli 2016 für etwa ein Jahr auf den Linien 1, 7, 9 (Westrichtung), sowie auf den Linien 12 und 15.

Interessierte Gruppen und Institutionen sind eingeladen, das Projekt nachzumachen. Weitere „Hallo Foto!"-Workshops sind unter anderem in Berlin und Sao Paulo geplant.

Tags: Flucht , Gesellschaft

Kategorien: Gesellschaft