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Wie man Bewerbungen meistert

Lilith Woesler · 31.08.2017

© Wirtschaftsjunioren Köln

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Was sage ich im Bewerbungsgespräch? Wie finde ich eine Lehrstelle? Diese und ähnliche Fragen sind vielen Schüler/innen nur allzu vertraut. Eine Orientierung im Dschungel des Bewerbungsmarkts bieten die kostenlosen Bewerbungstrainings der Wirtschaftsjunioren Köln. An der Sommerakademie der IHK-Stiftung haben Carla Müller, Sandra Schorn und Claudia Freese einen solchen Kurs gegeben, Lilith Woesler von Känguru war dabei.

Viele junge Menschen fühlen sich unvorbereitet, wenn sie sich zum ersten Mal in der Bewerberrolle wiederfinden. „In der Schule wurde das alles nicht wirklich angesprochen, höchstens mal drei Wochen lang im Deutschunterricht“, sagt Teilnehmer Nico (18). Um diese Lücken gründlich zu füllen hängt der Ablauf des Trainings stark vom Gesprächsbedarf der Gruppe ab. Das fiktive Bewerbungsgespräch und die Besprechung der Bewerbungsmappe sind aber fester Bestandteil, wobei sich viel um einen Merksatz dreht: Zentrale Fragen in Anschreiben und Gespräch: Warum dieser Beruf? Warum diese Firma? Was sind eure Stärken (und Schwächen)? „Viele wissen gar nicht, wie sie ihre eigenen Fähigkeiten darstellen können, da fehlt es dann häufig vor allem an den soft skills“, erklärt ein Lehrer der Sommerakademie.

Anstandsregeln und Formalitäten

Man will hier nicht erreichen, dass alle Teilnehmer hinterher die Knigge auswendig können und ab sofort identische Anschreiben verschicken - den Stil der Bewerbung kann und soll man dem individuellen Fall anpassen. Sandra Schorns Tipp dazu: „Hört immer ein bisschen auf euer Bauchgefühl, achtet auf jeden Fall darauf, dass ihr euch damit wohlfühlt, was ihr schreibt.“ Es wird darauf eingegangen, welcher Rahmen festgelegt ist und woran auch ein wenig gewackelt werden kann: Den Aufbau des Lebenslaufs sollte man einhalten, die genaue Grußformel kann man je nach Vorliebe oder Betrieb wählen.

Ähnlich verhält es sich mit den Umgangsformen im persönlichen Kontakt, jeder sollte ein Gespür dafür entwickeln, was angemessen ist. Mit lächeln, in die Augen schauen, aufrecht sitzen und so weiter ist man aber immer gut beraten. Tipp: Höhergestellte geben zuerst die Hand! Auch die Kleidung ist vollkommen berufsbezogen. Tipp: Auf der Website des Unternehmens nach Fotos suchen und nachsehen, wie die Mitarbeiter gekleidet sind - das ist eine gute Richtlinie.

Das Training ist sehr praxisbezogen, oft wird die Perspektive des Chefs erklärt: Etwa, in welcher Zeit die Bewerbungen überhaupt gesichtet werden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Wirtschaftsjunioren die Perspektive der Personaler kennen und genau wissen, wozu die Regeln eigentlich alle gut sind.

Selbstdarstellung und Empathie

Sandra Schorn warnt: „Bereitet euch darauf vor, dass im Vorstellungsgespräch nachgebohrt wird, warum etwas in eurer Laufbahn nicht so gelaufen ist, wie ihr euch das vielleicht vorgestellt hattet.“ Solche Fragen sollen testen, wie es mit der Selbsteinschätzung der Bewerber aussieht. Auch über das Berufsbild sollte man sich genau im Klaren sein. „Was aus Ihrem bisherigen Leben hat Ihnen gut gefallen, das Sie auch in diesem Beruf wiederfinden?“, gibt Carla Müller Anregungen. Ist im angestrebten Job viel Teamarbeit gefragt, kann man also gerne die eigene Sportmannschaft erwähnen. Sandra Schorn empfiehlt: „Stellt einen Bezug zum Unternehmen her, der auch zu euch passt.“ Wichtig ist aber trotzdem, authentisch und ehrlich zu sein. „Sagt nicht, dass ihr in eurer Freizeit Physik-Dokus guckt, wenn das nicht stimmt“, stellt sie klar.

„Du musst ein bisschen konkret werden, was du in deinem Praktikum tatsächlich gemacht hast“, rät sie außerdem. Wenn Bewerber das Gespräch in Gang halten könne man sie auch besser kennenlernen. Es kann helfen, Antworten auf gängige Fragen vorher zu üben und sich Formulierungen zurechtzulegen. Tipp: Schreibsachen mitnehmen! Ihr könnt Stichpunkte vorbereiten, damit es euch vor Nervosität nicht die Sprache verschlägt und Fragen notieren, für die sich zwischendurch keine Gelegenheit ergibt. Zum Schluss gibt es nämlich die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Interesse und Initiative zu zeigen. Am besten erkundigt man sich natürlich inhaltlich und nicht nur nach Arbeitszeiten und Bezahlung.

Bei all den komplizierten Vorgaben wiederholt sich während des Trainings aber immer dieselbe Botschaft: Verlasst euch auf euer Bauchgefühl, geht auf euer Gegenüber ein – alle Tipps und Tricks sind vor allem dazu da, euch genau dabei zu helfen. Das Zwischenmenschliche ist am Ende eben doch ausschlaggebend.

bewerbungstraining

Wirtschaftsjuniorinnen Carla Müller (außen links), Sandra Schorn (Fünfte von links) und Claudia Freese (außen rechts) mit Teilnehmenden an der Sommerakademie.

Wirtschaftsjunioren Köln

Die Wirtschaftsjunioren Köln e.V. sind junge Unternehmer und Führungskräfte unter 40 Jahren aus allen Bereichen der Wirtschaft. In verschiedenen Projekten setzten sich die Wirtschaftsjunioren Köln e.V. ehrenamtlich ein, um das soziale, kulturelle und wirtschaftspolitische Umfeld ihrer Heimatstadt aktiv zu gestalten.

Bewerbungstraining

Die Situation am Arbeits- und am Ausbildungsmarkt hat den Druck auf Bewerber verschärft - umso wichtiger, dass keine vermeidbaren Fehler gemacht werden, denn eine Bewerbungsmappe und besonders ein Bewerbungsgespräch können nur einmal falsch laufen, schon ist man raus aus dem weiteren Verlauf. Das Problem: Man erhält nur selten ein Feedback, woran es denn lag. Genau dafür gibt es die ehrenamtlichen Bewerbungstrainings für Schüler/innen, Geflüchtete und alle anderen Bewerber. Interessierte Schulen können sich melden: bewerbungstrainings@wjkoeln.de

Sommerakademie der IHK-Stiftung

In zweiwöchigen Intensivkursen können junge Menschen ohne Ausbildungsplatz ihre Mathematik- oder Deutschkenntnisse verbessern und lernen, wie sie ihr Theoriewissen in der Praxis anzuwenden, wie wichtig gute Teamarbeit ist und worauf es bei gelungener Kommunikation ankommt. Auch Tipps für Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch und Einstellungstests dürfen natürlich nicht fehlen.

Tags: Ausbildung , Gesellschaft , Soziales

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