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Captn Clown

Anna Fredebold & Melina Wellnitz (k50-Redakteure) · 24.08.2017

Eine Berufswelt der anderen Art eröffnen die Produkte der Firma Captn Clown © Fabian Stock

Eine Berufswelt der anderen Art eröffnen die Produkte der Firma Captn Clown © Fabian Stock

Gruselige Masken, blutige Narben und schaurige Kreaturen: Die Kölner Werkstatt „Captn Clown“ für physische Special Effects produziert lebensechte Wunden sowie qualitativ hochwertige Masken und Kostüme. 

Die Arbeit hört sich erst einmal unspektakulär an, doch nach Betreten des „Showrooms“ der Künstler wird uns das Gegenteil bewiesen. Uns begegnen gruselige Masken und schaurige Kreaturen, die man sonst nur in einem Horrorfilm zu Gesicht bekommt. Auch blutige Narben und tiefe Wunden bleiben uns nicht erspart, die man mit echten Verletzungen sofort verwechseln würde. Von dort an gingen uns Tausende Fragen durch den Kopf.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Der Firmeninhaber der dreiköpfigen Werkstattgemeinschaft Nick Krützfeldt hat das geschafft, wofür ihn viele Menschen beneiden würden: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. „Doch ganz so einfach, wie es klingt, funktionierte es nicht“, betont er. Schon früh war ihm klar, was er später einmal machen möchte. Er wählte in der Schule Kunst-Leistungskurs und begann somit seinen kreativen Ausbildungsweg.

Nach dem Abitur verbrachte er einige Monate in Neuseeland, kam dort seinen Passionen näher und entdeckte auch seine Interessen. Er arbeitete in Wellington in einem Unternehmen, wo er die Möglichkeit hatte, eigene Ideen zu entwickeln und Figuren herzustellen. Aus diesem Grund und weil er die Möglichkeit eines Ausbildungsplatzes bekam, blieb er länger als geplant vor Ort. Nachdem er sogar beim Requisitenbau für die „Hobbit“-Trilogie aushelfen durfte, kam er nach Deutschland zurück.

Aller Anfang ist schwer

Nick Krützfeldt war davon überzeugt, eine Marktlücke in seiner Heimat entdeckt zu haben und wollte seinen Interessen weiter nachgehen. „In Deutschland ist dieser Produktionszweig fast noch gar nicht ausgebaut“, erklärt er uns. Seine Eltern rieten ihm jedoch dazu, nicht seinem ungewissen Enthusiasmus zu folgen, sondern erst einmal ein Studium zu beginnen, um etwas „Handfestes“ in der Tasche zu haben. Nachdem er in Aachen einen Studiengang gefunden hatte, der scheinbar in seine beruflichen Zukunftsideen passte, musste er feststellen, dass sich „Materialwissenschaften“ nicht mit seiner Kunst zusammenbringen ließ. Ihm wurde klar, dass seine Eltern eine andere Vorstellung von etwas „Handfestem“ hatten, als er selber. Er brach das Studium ab und setzte auf seine im Ausland gesammelten Kenntnisse und Referenzen. Er gründete eine Einmanngesellschaft, die er nach drei Jahren erweiterte.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Gemeinsam mit Stine Wassermann, die sich hauptsächlich um die Präsentation des Unternehmens nach außen und die Formalien kümmert, und Felix Lamparter, der die Formen für die Masken und Wunden produziert, funktioniert das Unternehmen.

Foto: © Fabian Stock

Bei der noch jungen Firma steht die Herstellung von Wunden und künstlichen Verletzungen klar im Vordergrund.

Diese helfen vor allem Krankenschwestern und Assistenzärzten in der Ausbildung, sich ein Bild von verschieden stark ausgeprägten oder ausgehärteten Wunden zu machen. Sie dienen also als Lehrmaterial und sind sehr aufwändig herzustellen. Nur durch präzise Arbeitsteilung ist das möglich, was „Captn Clown“ schafft. „Es steckt viel Vorarbeit dahinter. Damit die Wunden auch anerkannt und nachgefragt werden, muss man sich erst einmal in verschiedenste Lehrwerke einlesen, um einen Eindruck von realitätsnahen Wunden zu bekommen“, erklärt uns Krützfeldt. Dabei zähle jedes Detail. Die Schwierigkeit dabei ist vor allem, dass man kein dreidimensionales Anschauungsobjekt hat, sondern durch theoretisches Wissen und Erfahrungen eigene Modelle entwickeln muss. Bei der Herstellung wird nur bestes Material verwendet, damit die aufklebbaren Wunden möglichst lange haltbar sind und genutzt werden können.

Nachfragen von verschiedensten Personen aus verschiedensten Ländern

Auch die furchteinflößenden Masken und Kostüme finden ihren Absatzmarkt, ob für ein Live-Rollenspiel oder eine gehobene, extravagante Halloweenparty. „Es kommen Nachfragen von verschiedensten Personen aus verschiedensten Ländern“, so Krützfeldt, Dabei müssen die Modellierer meist ihre eigenen Interessen und Neigungen zurückstellen, um den Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. So zaubern sie aus Silikon, Latex und anderen Materialien richtige Kunstwerke.

Bis zu drei Monaten dauert solch eine aufwändige Handarbeit, was sich auch im Preis widerspiegelt. Deshalb sehen Nick Krützfeldt und Felix Lamparter die günstigen Karnevalsmaskenhersteller nicht als Konkurrenz an, da sie bei einem anspruchsvolleren Publikum Anklang finden möchten und ihre Produkte sich durch ihre weitaus höhere Qualität auszeichnen.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Nick Krützfeldt und sein Team wollen weiter wachsen: „ Ein großes Ziel für mich ist vor allem die Möglichkeit, Ausbildungsplätze anzubieten und mein Wissen mit anderen Begeisterten zu teilen.“ Seine Idee ist es, eine Alternative zu den „normalen” Jobs zu kreieren, doch leider ist sein Beruf kein offiziell anerkannter. Zudem hat Krützfeldt rückblickend viel aus seinen Entscheidungen gelernt und bereut seine Wege nicht im Geringsten. Die Flexibilität, die er in seinem Unternehmen hat, möchte er gegen nichts eintauschen.

Auch uns rät er bezüglich der Berufswahl, unseren eigenen Träumen zu folgen – egal wie verrückt und unerreichbar sie auf den ersten Blick scheinen.

Alles Handarbeit: Über 30 Jahre halten die Masken. Außerdem werden sie nach individuellen Wünschen angefertigt. © Fabian Stock

Fazit: Wir haben Nick Krützfeldt und sein Team in ihrer kleinen Hinterhofwerkstatt als sehr engagiert, passioniert und ehrgeizig kennengelernt. Künstler, die nicht ansatzweise so verrückt sind, wie ihre Produkte. Ihre Leidenschaft hinter der Arbeit und ihre Bodenständigkeit sind dabei nicht zu übersehen. Wir möchten uns für das ausführliche Interview herzlichst bedanken und wünschen ihnen viel Erfolg auf ihren zukünftigen Wegen.

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