Kunst/Literatur & Co.

Das Unanständige hat Poesie!

Tabea Brauner · 24.08.2017

© Jaromir Konecny

© Jaromir Konecny

Tabea Brauner hat den zweimaligen Poetry Slam-Vizeweltmeister Jaromir Konecny nach einer Lesung seines Buchs „Dönerröschen“ in Köln getroffen.

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Du bist auch bekannt als Poetry-Slammer…

Anfang der 90er habe ich in Deutschland angefangen, dann habe ich es 10 Jahre lang richtig intensiv betrieben. Jetzt  trete ich noch hin und wieder auf, aber ich bin zu alt dafür. Die Poetry Slam-Szene braucht frisches Blut!

Hattest du früher auch so einen verrückten Hund wie Napoleon aus „Dönerröschen“?

Ja, das ist eine sehr traurige Geschichte, die mich seit vielen Jahren verfolgt. Als ich jung war, hatte ich einen Hund, der immer die Apfelbäumchen in der Nachbarschaft  umgeknickt und Kaninchen gejagt hat. Eines Sonntags haben mich Schreie aus dem Garten geweckt. Dann bin ich rausgelaufen und habe gesehen, wie mein Schwager den Hund mit einem Spaten totgeschlagen hat. Meine Eltern haben den Alki hinter meinem Rücken beauftragt, während ich geschlafen habe.

Was sagst du zur sogenannten Assi-Sprache?

Die Schimpfwörter und das ganze unanständige Zeug in meinen Romanen hat alles seine Poesie. Natürlich muss ich übertreiben, du kannst die Sprache nicht eins zu eins übernehmen, sonst hätte das Buch tausend Seiten und wäre gähnend langweilig.

Wie stehst du zu iPhones, Sozialen Netzwerken und Co?

Oh! Ich bin der totale Freak! Letztes Jahr hab ich mir ein neues iPhone gekauft, seit drei Jahren bin ich bei Facebook und lese jeden dritten Tag eine Computerzeitschrift. Durch Soziale Netzwerke kann man mehr kommunizieren.

Die Frauen in deinen Romanen haben sehr viel Macht …

Also wenn es um die Macht der Frauen geht, erzähle ich immer Folgendes: Ich habe drei ältere Schwestern. Wenn meine Mutter früher weggegangen ist, hat sie uns immer eine Liste geschrieben, auf der stand, was wir zu erledigen hatten. Kaum war sie weg, haben meine Schwestern mich verprügelt und ich konnte die ganze Arbeit alleine machen … aber das ist nur ein Joke ;-). Außerdem würde es zu macho klingen, wenn ich den Frauen weniger Macht verleihen würde.

Du schreibst viel über Sexualität …

Es ist interessanter, die Sexualität aus der Sicht der Frauen zu begreifen. Wenn ein Mann den Bestseller-Roman von Charlotte Roche verfasst hätte, wäre er wahrscheinlich nie gedruckt worden. Mir wurde sogar vorgeworfen, ich hätte sie kopiert, obwohl ich schon seit 30 Jahren über dieses Thema schreibe.

Wie unterscheiden sich Frauen von Männern?

Frauen sind eindeutig die sozialeren Wesen. Die Evolution hat das gezeigt: Während die Männer jagen gegangen sind und jeder für sich allein den Feind bekämpfte, haben die Frauen sich in einer Gemeinschaft um das soziale Leben gekümmert. Deswegen sind Frauen begabter als Männer, wenn es um das Lesen der Gefühle und Wünsche geht. Frauen sollten allerdings akzeptieren, dass Männer so sind, statt ihnen vorzuwerfen „Du verstehst mich nicht“. Darüber schreibe ich ständig: Beide Geschlechter sollen erkennen, dass sie unterschiedlich sind.

Was war das Gefährlichste, was du jemals erlebt hast?

Ich bin schon drei Mal fast zu Tode gekommen bei meinen Unternehmungen. Und ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an die Zeit in Libyen denke. Dort bin ich eine steile Klippe hochgeklettert. Als ich schon zwei Drittel geschafft hatte, verlor ich auf einmal den Halt. Alles bröckelte unter meinen Händen weg. Es waren nur noch anderthalb Meter bis nach oben. Ich versuchte meine Panik abzuschalten. Nach einer endlosen Viertelstunde, während der ich (buchstäblich am seidenen Faden) an der Klippe hing, wurde ich schließlich mit einem Seil hinaufgezogen. Den Jungs sei Dank!

Vielen Dank für das Gespräch!

Hier kommt ihr zu der Buchbesprechung „Dönerröschen" von Jaromir Konecny.

Autoreninfo:

Jaromir Konecny, 1956 in Prag geboren emigrierte 1982 in die Bundesrepublik. Darüber hinaus verbrachte er zwei Jahre als Techniker in Libyen. Bekannt machten ihn seine Auftritte als Poetry Slammer, von denen er über 60 gewann und zweimal Vizemeister des deutschsprachigen Poetry Slams wurde. Auch Jaromirs Jugendromane standen erfolgsgekrönt auf der Focus-Bestenliste. Der Neueste heißt "Herz Slam", sein Buch "Dönerröschen" erschien 2014. Zurzeit wohnt der promovierte Chemiker mit seiner Familie in München.

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