Kunst/Literatur & Co.

Dönerröschen

Tabea Brauner · 24.08.2017

© cbt Verlag

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Was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinander prallen? Jaromir Konecny hat mit "Dönerröschen" einen lustigen Jugendroman über eine deutsch-türkische Liebesgeschichte geschrieben.

Die ersten drei Sätze treffen wie der Fußballspieler Lewandowski für Dortmund: "Wochenlang packte Anne jedes einzelne Haushaltsstück in eine Luftschutzfolie ein und legte die Dinger vorsichtig in Umzugskartons. „Jetzt fangen wir noch mal ganz von vorne an, Baby“, sagte Dok zu Anne, als die Kartons voll waren und wollte das ganze Zeug zum Sperrmüll fahren. Anne fiel in Ohnmacht und alles blieb beim Alten. Meine Eltern sind immer so drauf."

In dem Jugendroman "Dönerröschen" zieht der Oberhachinger Jonas mit seinen Eltern Dok und Anne sowie dem kuchenbesessenen Hund Napoleon nach München, in das türkische Viertel Neuperlach. Schon am ersten Tag erlebt er eine kleine Prügelei auf dem Bolzplatz und lernt dabei Schnauze kennen, der fließend assi-deutsch spricht. Ein blonder Türke? Im NORDSEE trifft er auf zwei Perlhühner, die er „Hübsche“ und „Spraydose“ tauft – und verknallt sich in die „Hübsche“ Sibel. Jonas‘ achtjähriger Gangster-Nachbar Emre ist ein totaler Lacher: Während er mit einer Reihe von Schimpfwörtern den Boss mimt, wird er unter dem Einfluss seiner Mutter und seiner größeren Cousine Sibel plötzlich ganz lieb und brav. Hippievater Dok, der Napoleon zu erziehen versucht, und die labile Mutter Anne, die dauernd in Ohnmacht fällt, bilden den Rahmen von Konecnys Geschichte.

„Für uns Türken is‘ Fußball Gott!“

Jaromir Konecny ist ein wahrer Sprachkünstler in der Jugendszene. Er versteht es bestens, den bayerischen Dialekt mit modernen Ausdrücken zu mischen. Auch der Charakter von Schnauze, der sich integrieren möchte, ist sprachlich hervorragend, wenn auch ein wenig überspitzt herausgearbeitet: „Für uns Türken is‘ Fußball Gott!“ oder „Meine Anne will mich auch ständig ablecken, Alta!“ Spielend greift der Poetry Slam-Star die Vorurteile dem türkischen Volk gegenüber auf und zieht sie ins Lächerliche. Trotzdem verliert er nicht den Bezug zur Realität, da er auch die traditionelle Seite der Kultur sowie die kulinarische Welt der Deutschtürken beleuchtet.

Das auffallend Sympathische ist, dass alle Frauen dieses Jugendromans das Sagen haben und die Männer ganz schön ins Schwitzen bringen.

Hier geht es zum Interview mit Jaromir Konecny

Dönerröschen
Verlag cbt 2013
ISBN 978-3-570-16134-0
Preis 12,99 Euro

Empfehlung: für Jugendliche ab 13 Jahre, aber auch ruhig darüber!

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