Kunst/Literatur & Co.

„I was here“ – Queen Bey in Düsseldorf

Nicolas Uhrberg · 26.08.2016

Beyoncés Auftritt: Kein gewöhnliches Konzert. / Foto: Nicolas Uhrberg

Beyoncés Auftritt: Kein gewöhnliches Konzert. / Foto: Nicolas Uhrberg

Beyoncé stand in Düsseldorf auf der Bühne und k50-Redakteur Nicolas Uhrberg war vor Ort.

Am Anfang war das Nichts, endlose Leere - dargestellt durch einen riesigen, grellweiß leuchtenden LED-Kubus. Fast mutet er an wie ein riesiger Schrein, ein Nachbau der Kaaba in Mekka vielleicht, oder das Heiligtum irgendeiner größenwahnsinnigen Sekte. Ganz so fern liegt die Idee gar nicht, die Pilger sind schließlich auch schon da, und zwar nicht gerade wenige: Über 50.000 Menschen haben am Abend des 12. Juli den Weg in die Düsseldorfer Esprit-Arena gefunden.

Nur dass sie eigentlich gar nicht vorrangig für den LED-Klotz hier sind, sondern für seine Auftraggeberin: Die Königin unter allen Superstars hält hier an diesem Abend Audienz, Beyoncé, oder mit (nicht ganz offiziellem) Adelstitel: Queen Bey. Ihre Krönung ist schon vor dem Konzert erfolgt - durch überschwängliche Kritiken für ihr neues Album, schwindelerregende Ticketverkäufe und einen ähnlich großen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben der USA wie ihr Präsident (übrigens ein guter Freund von Beyoncé).

Ist sie ein real existierender Mensch?

Der Würfel ist da, das Publikum ist da, fehlt nur noch die Hauptperson. Zunächst einmal wärmt eine in Deutschland gänzlich unbekannte Girl-Group das Publikum auf, schon um kurz nach sieben Uhr sind sie fertig – dass sie dem Publikum im Ohr bleiben, ist wohl gar nicht gewollt, würde nur vom Star des Abends ablenken. Ungewöhnlich früh für derartige Großereignisse (die meisten „Kolleginnen“ lassen sich da mehr Zeit) beginnt dann um kurz nach acht die eigentliche Megashow. Während eines mehrere Minuten dauernden Intros beginnt sich der Kubus (von Beyoncé selbst als „Monolith“ bezeichnet) zu drehen, auf ihm flackern blitzlichtartig kurze Videosequenzen auf – immer wieder erkennt man darin die Gesichtszüge Beyoncés aus verschiedenen Nahaufnahmen.

Dieses Konzert ist nicht wie andere, in denen ein Lied nach dem anderen ausführlich präsentiert wird – nein, hier gilt vielmehr das Gesamtkunstwerk.

Fast glaubt man, schon die Kopie ihrer Person reiche den Fans heute Abend, da fährt Beyoncé Giselle Knowles-Carter, wie die 34-jährige Dame aus Texas mit vollem Namen heißt, höchstpersönlich unter ohrenbetäubendem Getöse aus dem Boden der Hauptbühne heraus, hinter ihr der riesige, bunt flackernde Monolith: Allein dafür hat es sich gelohnt, an diesem Abend den nicht gerade günstigen Ticketpreis zu bezahlen.

„Okay ladies, now let’s get in formation!”

Im Bad des Jubels beginnt Beyoncé ihre Show (wie kann es auch anders sein) mit „Formation“, dem Lied, welches nicht nur namensgebend für die Tour ist, sondern mit dem sie beim Superbowl 2016 Geschichte geschrieben hat: Sie hat erstmals in ihrer Karriere klar Flagge gezeigt für die Rechte der Afroamerikaner, zu denen sie selbst auch gehört. Beyoncé, die sich schon mehrfach öffentlich als Feministin bezeichnete, bringt die Menge mit ihren Tänzerinnen zum Beben und fordert zur Emanzipation auf: „Okay ladies, now let’s get in formation!“.

Im weiteren Konzertverlauf wird deutlich: Dieses Konzert ist nicht wie andere, in denen ein Lied nach dem anderen ausführlich präsentiert wird – nein, hier gilt vielmehr das Gesamtkunstwerk. So werden die Videos aus den letzten beiden Alben als elementarer Baustein in die Show integriert, Beyoncé und ihre Tänzerinnen interagieren dazu mit dem Monolith und lassen die Grenzen zwischen Livedarbietung und Video verschwimmen. Immer wieder verlässt Beyoncé die Bühne, während neue Videos eingespielt werden. Viele von diesen Videos besitzen bei den Fans schon längst Kultstatus und es müssen nur bestimmte Ausschnitte aus ihnen (wie beispielsweise Szenen mit Beyoncés Ehemann Jay-Z) eingeblendet werden, um frenetischen Jubel ausbrechen zu lassen.

Tags: Konzert , Musik

Kategorien: Freizeit , Kunst/Literatur & Co.